Völlig zu Unrecht gelten Raben als schlechte Eltern. Der Begriff “Rabeneltern” basiert auf der Annahme, dass die schwarzgefiederten Vögel ihre Brut aus dem Nest werfen, wenn es ihnen zu lästig wird, die Kleinen durchzufüttern.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Raben sind nämlich höchst fürsorgliche Eltern. Sie leisten beim Schlüpfen intensive Geburtshilfe, decken ihre Jungen zärtlich zu, wenn es ihnen zu kalt wird und sorgen mit rührender Anteilnahme dafür, dass der Nachwuchs niemals Hunger leidet. Woher kommt also der schlechte Ruf?
In der Tat versuchen Rabeneltern ihre Jungen so schnell wie möglich flügge zu bekommen. Sobald die Flügel ausgereift sind, werden die Jungen (und auch die Mädchen) aus dem Nest geschubst. Natürlich nicht, um das Nest wieder für sich zu haben (wie dies gelegentlich bei Menschen auftreten soll), sondern um die Brut nicht an Raubvögel zu verlieren.
(Quelle: Pat Lauer: Das Ei des Kolubus und andere Irrtümer, München 2000)