Jeder tut es, oder sollte es zumindest tun, und denkt sich dabei wahrscheinlich nichts dabei. Ich spreche von Grußformeln, die man zur Begrüßung und zum Abschied ausspricht. Da hätten wir einmal die schöne süddeutsche Begrüßung "Grüß Gott".
Gerne hört man dann, meist als Spaß gemeint, den Satz: “Grüß ihn halt selbst, wenn du ihn siehst.” Ursprünglich hieß die Begrüßung: “Got grueße dich”. Das bedeutet, “Gott möge dich freundlich anreden, beschützen.” Das Pendant der Preiß'n, äh, Norddeutschen "Guten Tag" ist übrigens gar nicht so weit von diesem Gruß entfernt. Diese Kurzform entstammt nämlich aus Wendungen wie “goden dach got geve dir!”
Zwischen guten Bekannten sind eher servus, ciao oder tschüs angesagt. Die ersten beiden Ausdrücke sind sowohl für Begrüßung als auch zum Abschied geeignet. Beim italienischen ciao hat sich das allerdings noch nicht so durchgesetzt. Das wird meistens zur Verabschiedung verwendet.
Manch einer, der sich in der Schule mit Latein plagen durfte, hat es dort erfahren: Servus heißt Sklave oder Diener und so drückt man mit dem Gruß aus: “ich bin dein Diener”. Ähnlich verhält es sich mit ciao, das von “schiavo” herrührt und ebenfalls Sklave bedeutet.
Das Pendant der norddeutschen Mitbewohner “tschüs”, das von richtigen Süddeutschen gar nicht gern gehört wird, sich aber auch hierzulande wohl nicht verdrängen lässt, findet seinen Ursprung in dem französischen adieu. Das bedeutet “(ich empfehle dich) Gott”. Weit hergeholt, findet ihr? Adieu wanderte über das wallonische adjuus ins rheinische Platt, wo man adjüs, tjüs, tschüs sagte.
Da war doch noch was: Richtig! Die Bayern sagen ja viel lieber: Pfüati (Gott). Das heißt eigentlich hochdeutsch ausgedrückt: “Behüt’ dich (Gott).” Die Schwaben hingegen bevorzugen das "Ade", welches sich wiederrum vom "Adieu" ableitet.
(Quelle: Peter Köhler: Basar der Bildungslücken, München 2000)